A Travellerspoint blog

Freitag, 7. Dezember 2007

’s goht dägägä

overcast 4 °C

Damit mein ich nicht nur Weihnachten. Ja, in zwei Wochen werde ich bestimm am Packen für meinen Heimurlaub sein. Ein komisches Gefühl. Ich freue mich richtig aufs Heimkommen, aber dadurch hat das „du gehst für immer nach Norwegen“ an Endgültigkeit verloren. Bis jetzt fühle ich mich immer noch als Reisender. Vom Hotzenwald nach Kanada, dann nach Furtwangen, nach Schwenningen, kurz zurück auf den Hotzenwald, dann nach Norwegen, über Weihnachten zurück auf den Hotzenwald, dann wieder nach Norwegen. Trotzdem fühle ich mich hier von Tag zu Tag wohler. Es setzt sich alles Stück für Stück. Zwar bin ich noch weit von Alltag entfernt, aber ich habe schon eine erste Routine durch die Arbeit, Sport, Rotaract und Rollenspiel. Ab nächster Woche kommt noch ein Sprachkurs hinzu und dann quetsche ich meine Deutschen hier noch irgendwie rein. Es ist jetzt auch schon so weit, dass ich auf Englisch denke, auf Englisch träume und mir manchmal die deutschen Wörter nicht mehr einfallen. Das hatte ich in Kanada nie! Vielleicht war ich dort einfach zu oft gezwungen zwischen Englisch und Französisch zu wechseln. Das wird hier hoffentlich auch bald mit Norwegisch passieren! Schlimm ist auch noch, dass ich mit der deutschen Tastatur abends bald ne Stunde brauche, um die Tasten wieder zu finden. Kann also sehr gut sein, dass ihr beim Chatten Buchstabensuppe bekommt, weil ich mich schon zu sehr an die norwegische gewöhnt habe. Ich höre auch norwegisches Radio (www.radio1.no), höre ganz frech alle Unterhaltungen im Geschäft mit und versuche schon kleine Dinge auf Norwegisch zu schreiben. Es wird somit immer norwegischer bei mir. Falls ihr demnächste Emails von mir erhaltet, guckt mal auf die Endung. Ich habe sie diese Woche gewechselt, aber die alte kommt auch noch bei mir an.
Gestern hatte ich einen Tag Schulung über Kommunikation zwischen Kulturen, wie man Unterschiede festlegt und wie man mit ihnen umgeht. Es war wirklich ein sehr interessantes Training und ich habe noch viel Neues gelernt. Viel kannte ich schon aus Kanada, weil das Auslandsamt uns internationalen Studenten das meiste schon erklärt hatte. Da ich die ganzen Verwaltungsangelegenheiten wie Arbeitserlaubnis schon hatte, konnten wir gleich zu den wirklich interessanten Themen wechseln. Gestern war ein harter Tag, weil ich auch noch mit zwei Deutschen beim Hockey war. Hach, ich hab mich ein bisschen wie in Kanada gefühlt! Doch leider nur ein bisschen. Die norwegische Eishockeyliga ist lange nicht so gut wie die DEL oder gar die NHL (ou la LNH pour les Québecois *g*). Da tut es auf jeden Fall gut, dass ich wenigstens die Highlights der NHL übers Internet anschauen kann. Noch schöner natürlich, wenn die Canadiens gewinnen ;o) Das Stadion des Vålerenga-Clubs war gefüllt – gefüllt mit Luft. Ich glaube, der EHC hat mehr Zuschauer wie die Hauptstadtmannschaft der obersten norwegischen Hockeyliga, die auch noch die Liga anführt! Gut, man darf nicht vergessen: Die norwegischen Ligaprofis arbeiten wohl noch ihre 8 Stunden am Tag und sind somit vom Niveau gar nicht mit der NHL zu vergleichen. Und bei Spielen sieht es wohl so aus, dass man tagsüber im Büro die Akten über den Schreibtisch schiebt und abends dann den Puck übers Eis. Für mich ist ja schon ne kleine Welt zusammengebrochen. Witzig war es auf jeden Fall. Aber es ist irgendwo wie bei der Weihnachtsbaumgeschichte: „Scale down your expectations“ wie mir meine liebe Neuseeländerin gesagt hatte. Es ist hier alles kleiner. Ist halt doch nur ein „das größte Dorf in Norwegen“, hehe.

Posted by stef_d 1:52 PM Archived in Norway

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