Tag 8 (Montag, 1. Oktober 2007)
Die eigenen 4 Wände
05.10.2007
Okay, ich geb’s zu. Es sind fünf Wände. Das Bad ist dann doch noch abgetrennt. Aber von Anfang an! Am Morgen hieß es für mich meine Sachen zusammen zu packen und im Gepäckraum der Herberge zu verstauen. Ich spürte schon wieder die über 30 Kilo Gepäck.
Auf der Arbeit musste ich wieder viel lernen und Tests bestehen. Eigentlich glaubte ich, ich wäre aus diesem Prüfungsleben draußen? War wohl ein Irrglaube. Glücklicherweise gab es heute wieder was mit Sekt und Schokolade zu feiern. Nein, dieses Mal wurde nicht meine Wohnung gefeiert, sondern dass die Firma so gut dasteht. Wir durften sogar Luftballons steigen lassen und wir sollten uns dabei etwas wünschen. Es sollte etwas privates sein oder, falls man die Lust verspürte, auch für das Business, meinte unser Chef. Das war witzig. Wir wurden vielleicht seltsam von den Leuten angeschaut: Eine Gruppe Erwachsener lässt Luftballons steigen. Ich mag die Truppe von Tag zu Tag mehr! Die Neuseeländerin und ich haben ne gute Quote: einmal pro Woche feiern. Na, wenn das so weiter geht, dann bleib ich hier bis in alle Ewigkeiten! Achja… richtig… man muss für den Erfolg auch was tun… hm… na gut.
Um 14 Uhr musste ich schließlich die Wohnung übernehmen. Durch die Ballonstartaktion kam ich richtig in Zeitnot. Und wie es halt so ist, wenn einem Dinge versprochen werden: sie werden selten gehalten. Die Wohnung war nicht geputzt, es stank noch nach dem Zigarettenrauch, der Vormieter war nicht da, sondern nur der Vermittler, das Fenster war nicht gewechselt, der Kühlschrank war nicht da und der Herd fehlte auch noch. Dafür hat der Vormieter nen Esstisch mit zwei Stühlen da gelassen. Auch gut. Den kann ich nämlich brauchen. Im Kopf bin ich schon mal die Putzmöglichkeiten durchgegangen. Mit dem Vermittler habe ich dann nen Geld-gegen-Putzen-Deal ausgehandelt: ich putze selbst und bekomme Geld dafür. Geputzt hätte ich vermutlich eh, nur nicht so saumäßig gründlich, aber das Equipment brauche ich eh. So hat das mein Vormieter gezahlt.
Nach der Wohnungsübernahme bin ich in die Jugendherberge um mein Gepäck zu holen. Ich hatte wirklich vergessen, wie schwer die Taschen waren. Muss ich erwähnen, dass ich geschwitzt hatte, bis ich bei meiner Wohnung war? Die Taschen einfach nur abgestellt – ja nicht zuviel Staub aufwirbeln! – und wieder in die Arbeit. Es wurde dann 16 Uhr, bis ich wieder dort war.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wann ich gegangen bin, aber es war nach 18 Uhr. Zuhause (ich nenne jetzt einfach meine neue Wohnung „Zuhause“, auch wenn ich mich noch nicht eingelebt habe – Hogschür ist dann einfach „Daheim“ *g*) eine kurze Bestandsaufnahme gemacht und gemerkt, dass wirklich nix da ist. Der nächste Supermarkt ist Kiwi, der für den ersten Einkauf hinhalten musste. Sah bestimmt witzig aus, wie jemand mit einem gelben kleinen Wörterbuch vorm Putzmittelregal steht und einkauft. Ich habe die anderen um mich gar nicht angesehen. Mit Duftneutralisator, Schwämmen, Spülmittel und Badreinger (der mit dem großen schwarzen X im orangenen Feld macht bestimmt sauber!) bewaffnet ging es in meinem Wohnung.
Bis halb 1 Uhr morgens habe ich geputzt, geschrubbt und eingeräumt („immigration must be exciting, isn’t it?“ – naja… :oP ). Mein Vormieter hat wohl unter „mal drüber putzen“ verstanden, dass er „über den Dreck drüber putzen“ soll. Es war rein gar nichts geputzt gewesen. Den Boden und die Fließen im Bad habe ich nicht mehr geschafft. Mit den Sitz- und Rückenkissen des Sofas habe ich mir eine notdürftige Matratze gebastelt, Schlafsack drauf und die erste Nacht geschlafen.
Wochentage finde ich gut. Da passiert immer so viel, dass man viel mehr schreiben kann.







