A Travellerspoint blog

Sep 2007

Tag 2 (Dienstag, 25. September 2007)

Der erste Arbeitstag

rain

Die erste Nacht in Norwegen ging sogar ganz gut. Einer meiner Zimmergenossen hatte die komplette Einrichtung zusammengesägt bis zum Morgengrauen, weshalb ich öfters aufgewacht bin. Entgegen meiner Erwartungen waren die Kleider sogar wieder trocken. Also, viel frühstücken (schließlich hat man es ja gezahlt) und auf zum ersten Arbeitstag.
Durch die Rushhour dauerte die Fahrt über ne Viertelstunde mehr als geplant. Egal, es war eh noch niemand aus meiner Gruppe da als ich ankam. Also hieß es erst einmal warten. Noch vor 9 Uhr kam mich dann jemand abholen, der sich später als mein Mentor herausstellte. Sie hatten auch gleich schon eine Simulationsaufgabe für mich. Aber ohne Login kann man nichts arbeiten. Also wurde ich erst einmal durch die komplette Firma geführt, durfte Hände schütteln und war sehr oft „nice to meet you“. Nur beim einzigen Deutschen in der Firma habe ich mich auf Deutsch vorgestellt. Er sitzt sogar in meinem Büro – also nicht an meinem Platz, aber im gleichen Raum. Bis zum Mittagessen wurden Bilder von mir geschossen, ich durfte mir Papier durchlesen und wurde von meinem Mentor betreut. Es gab auch eine Kleinigkeit zu feiern, was allen ein kleines Gläschen Sekt bescherte. So ein Empfang ist doch klasse. Leider haben sie nicht mich gefeiert. Hm, das kommt noch!
Das Mittagessen war interessant. Es gab irgendwas in der Kantine, das ich mir dann einmal hab servieren lassen. Mit 45 NOK (5,60 Euro) war es sogar relativ günstig. Es stellte sich als Lachs mit Kartoffeln und Gurkensalat heraus. Ich muss unbedingt Norwegisch lernen, sonst gibt es jeden Mittag Stefan-Überraschung: was unverständliches, was zum drauf zeigen und hoffentlich auch was zu essen.
Am Nachmittag ging es mit meiner Assistentin der Relocation Agency zwei Zimmer besichtigen. Wir haben uns viel über Wohnungen, den Wohnungsmarkt, Supermärkte, den Autoverkehr und dass Oslo gerade eine riesige Baustelle ist unterhalten. Die erste Wohnung war im Gesamten ca. 24 m² groß mit über dem Gang gelegenem Abstellraum, den man auch als Schrank umfunktionieren kann. Sie lag etwas nördlich vom Königspalast im 6. Stock. Man sah also gerade so über die Dächer. Warm sollte sie 7400 NOK (ca. 920 Euro) kosten. Die andere ist im Stadtbezirk Sinsen, wo auch die Jugendherberge liegt. Die Wohnung dort war etwas gleich groß, aber nicht durch einen Gang getrennt. Sie liegt im Erdgeschoss und im Keller ist sogar eine Waschmaschine für alle. Wenn ich morgen zusage kostet sie 6200 NOK (ca. 780 Euro). Ich schlafe noch ne Nacht drüber, aber es ist einfach so gut. Das meinte meine Assistentin auch. Den Rest der Heimfahrt war ich „so right“ und alles war „so true“. Ich weiß nicht, ob sie für eine Vermietung Provision bekommt, aber sie ist der Meinung, dass das Angebot sehr gut ist. Nach der Fahrt im Osloer Verkehr bin ich mir auch sicher, dass ein Auto nur Zeit und Geld kostet, aber sonst nichts bringt. Seit heute weiß ich auch, dass hier in Oslo gerne die Mieten überboten werden – der mit dem höchsten Mietgebot bekommt die Wohnung. So läuft das in Norwegen. Als Vermieter muss es einem hier gut gehen.
Ich war nach der Besichtigung etwas im Geschäft, habe gelesen und bin dann noch mal zur zweiten Wohnung gefahren. Bei einem Spaziergang habe ich mir das Viertel angesehen und finde es dort eigentlich recht schön. Die Polizei patrouilliert dort mit Blaulicht, die Betrunkenen wanken einem auf der Straße entgegen, ich habe Supermärkte, Tram-, Bus- und T-Bane-Stationen keine 10 Minuten entfernt und die Wohnung selbst liegt ruhig.
Tja, als letztes habe ich im ICA Wurst und Brot für ein gemütliches Abendessen am Hafen gekauft, doch die Tram ist nicht gekommen. Nach einer Stunde am Bahnsteig bin ich zum Hostel zurückgefahren. Heute gehe ich früh ins Bett, weil ich ja über wichtige Entscheidungen träumen muss.

Posted by stef_d 9:24 PM Archived in Norway Comments (1)

Tag 1 (Montag, 24. September 2007)

Ankunft

rain

Der Tag hatte früh angefangen. Ich lag noch nach Mitternacht wach im Bett und konnte vor Aufregung und Telefonaten nicht einschlafen. Doch dann habe ich doch noch ein paar Stunden Schlaf bekommen, bevor es um 6 Uhr aus den Federn ging. Das Frühstück habe ich fast nicht runtergebracht, weil ich noch so satt war von der Hochzeitsfeier am Samstagabend. Gut, mein Magen hat auch nicht ganz mitgespielt. Was diese Aufregung alles hervorzaubern kann.
Pünktlich 3 Stunden vor Abflug ging es los nach Zürich mit meinen zwei Taschen Auswanderergepäck, nem genauso schweren Handgepäck-Rucksack und meinem Laptop. Beim Wiegen kamen einmal 12 und einmal 14 Kilogramm zusammen bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 20 Kilogramm. Der Angestellte hatte nichts gesagt. Vermutlich, weil meine Mutter und ich am Schalter standen und ich zwei Tickets in der Hand hatte – eins von Zürich nach Kopenhagen, eins von Kopenhagen nach Oslo.
Nach tränenreichem Abschied startete der Flieger um 11 Uhr nach Norden in mein neues Leben (ganz XXL). Jedem, dem ich meine Abflugszeit genannt habe, müsste jetzt klitzekleine Diskrepanz von 20 Minuten auffallen. Ja, diese 20 Minuten durfte ich auf dem Kopenhagener Flughafen wieder einholen! Und natürlich lag das Gate für den Flieger nach Oslo auf der anderen Seite des Flughafens. Ich wollte der Geschichte nicht so ganz trauen, aber ich musste wirklich innerhalb von 10 Minuten das andere Gate erreichen (das erste Mal geschwitzt).
Der Anflug auf Oslo ging nicht wie der auf Dänemark über die vielen kleinen Inseln, sondern durch eine dicke graue Wand. Es regnete in Oslo. Der Flieger setzte um 14:15 auf und ich war in meinem neuen Leben – in Norwegen – in Oslo – zum Arbeiten und hier leben. Kein Urlaub, kein Besuch, kein Bewerbungsgespräch – nein, für sehr lange Zeit. Ein seltsames Gefühl.
Mein Gepäck kam kurz nach mir an der Gepäckausgabe an. Den Weg kannte ich ja zu den Expresszügen vom Flughafen zum Hauptbahnhof Oslos. Und mein 26kg schweres Gepäck mit den 15kg im Rucksack und dem Laptop lernten ihn jetzt auch kennen. Warum haben wir um Himmels Willen den Tragegurt für eine der Taschen aus Gewichtsgründen zuhause gelassen?! Kurz darauf saß ich ihm Zug und mein Laptop hatte mich noch nicht erwürgt (das zweite Mal schwitzen). Jetzt noch schnell ne SMS nach Hause schicken und ausruhen. Auf dem Weg schau ich mir die Europa-Park-Häuschen an und versuche mir vorzustellen, das alles bald als meine Heimat zu bezeichnen. Es erinnert alles schon sehr an Hotzenwald, doch ich versteh hier noch kein Wort und lesen kann ich auch nix!
Vom Hauptbahnhof in Oslo musste ich nur ein paar Meter zur Touristen-Information, um mir dort mein 7-Tages-Ticket für Bus und Trämle zu kaufen. Da ich so hoch wie breit war mit dem Gepäck muss ich nach genügend Platz Ausschau halten. Das Nümmerchen, das man ziehen darf, erinnert mich so an Kanada. Nummer 035 und im Moment wird Nummer 690 bearbeitet. Ich komme wohl zu spät? Doch nach der 700 begann die Zählung wieder bei 001. Zum Glück!
Nach einer halben Stunde hatte ich mein Ticket und habe die nächste Bahnstation gesucht. Da Oslo gerade umgebaut wird, fährt in der Innenstadt nicht immer alles nach Plan und schon gar nicht, auf den richtigen Gleisen. Toll! Ich hab also mein Gepäck genommen – es fängt gerade richtig zu regnen an – und kämpfe mich durch die Innenstadt zu einem Trämle-Bahnhof, den ich von letztem Mal kenne (das dritte Mal geschwitzt). Kaputt steige ich die Bahn ein und stelle nach ein paar Stationen fest, dass ich ne andere hätte nehmen müssen. Super! Ganz falsch bin ich ja nicht, ich muss nur noch an der Endhaltestelle umsteigen und eine Station weiterfahren.
Endlich an der Haltestation angekommen, such ich nach der Jugendherberge Haraldsheim. Das Schild am Bahnsteig zeigt quer über ein Feld. Ja, dort oben auf dem Berg – wo Herbergen immer stehen! – ist es auch. Die Arme sind bald an meinen Füßen, weshalb sich meine Tragetechnik immer weiter verfeinert. Ich suche wegen des Regens doch lieber nen geteerten Weg. Mit einer kurzen Pause komme ich schließlich total fertig im Haraldsheim an (das vierte und fünfte Mal geschwitzt – dass überhaupt noch Leute in meiner Nähe habe, wundert mich). Der Angestellte am Empfang hieß passenderweise Harald, hehe.
Jetzt bin ich hier im 4er-Zimmer (das im obersten Stockwerk der Herberge ist – das sechste Mal Schwitzen!) untergebracht und habe mich leidlich eingerichtet. Vorhin bin ich noch mal mit leichtem Gepäck in die Stadt gefahren, habe mir gescheite Karten von Oslo besorgt und war im Burger King mein erstes typisch norwegische Gericht essen, hehe. Nein, ich hatte einfach nach dem Frühstück doch noch ein bisschen Hunger. Und 82 NOK (ca. 11 Euro) für ein großes Menü geht ja noch *hüstel*. Ich habe es in vollen Zügen genossen. Nachdem ich die Haltestelle meines Busses gesucht hatte, bin ich wieder ins Haraldsheim zurückgegangen.
Da es immer noch regnet, die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, glaube ich nicht, dass die nassen Klamotten von 4 Personen in dem kleinen Zimmer trocknen. Na, mal sehen. Die Nacht ist ja noch jung (23 Uhr). Ich bin jetzt auch müde und gehe ins Bett. Die erste Nacht norwegisch träumen.

Posted by stef_d 9:17 PM Archived in Norway Comments (0)

(Entries 6 - 7 of 7) Previous « Page 1 [2]