Tag 2 (Dienstag, 25. September 2007)
Der erste Arbeitstag
26.09.2007
Die erste Nacht in Norwegen ging sogar ganz gut. Einer meiner Zimmergenossen hatte die komplette Einrichtung zusammengesägt bis zum Morgengrauen, weshalb ich öfters aufgewacht bin. Entgegen meiner Erwartungen waren die Kleider sogar wieder trocken. Also, viel frühstücken (schließlich hat man es ja gezahlt) und auf zum ersten Arbeitstag.
Durch die Rushhour dauerte die Fahrt über ne Viertelstunde mehr als geplant. Egal, es war eh noch niemand aus meiner Gruppe da als ich ankam. Also hieß es erst einmal warten. Noch vor 9 Uhr kam mich dann jemand abholen, der sich später als mein Mentor herausstellte. Sie hatten auch gleich schon eine Simulationsaufgabe für mich. Aber ohne Login kann man nichts arbeiten. Also wurde ich erst einmal durch die komplette Firma geführt, durfte Hände schütteln und war sehr oft „nice to meet you“. Nur beim einzigen Deutschen in der Firma habe ich mich auf Deutsch vorgestellt. Er sitzt sogar in meinem Büro – also nicht an meinem Platz, aber im gleichen Raum. Bis zum Mittagessen wurden Bilder von mir geschossen, ich durfte mir Papier durchlesen und wurde von meinem Mentor betreut. Es gab auch eine Kleinigkeit zu feiern, was allen ein kleines Gläschen Sekt bescherte. So ein Empfang ist doch klasse. Leider haben sie nicht mich gefeiert. Hm, das kommt noch!
Das Mittagessen war interessant. Es gab irgendwas in der Kantine, das ich mir dann einmal hab servieren lassen. Mit 45 NOK (5,60 Euro) war es sogar relativ günstig. Es stellte sich als Lachs mit Kartoffeln und Gurkensalat heraus. Ich muss unbedingt Norwegisch lernen, sonst gibt es jeden Mittag Stefan-Überraschung: was unverständliches, was zum drauf zeigen und hoffentlich auch was zu essen.
Am Nachmittag ging es mit meiner Assistentin der Relocation Agency zwei Zimmer besichtigen. Wir haben uns viel über Wohnungen, den Wohnungsmarkt, Supermärkte, den Autoverkehr und dass Oslo gerade eine riesige Baustelle ist unterhalten. Die erste Wohnung war im Gesamten ca. 24 m² groß mit über dem Gang gelegenem Abstellraum, den man auch als Schrank umfunktionieren kann. Sie lag etwas nördlich vom Königspalast im 6. Stock. Man sah also gerade so über die Dächer. Warm sollte sie 7400 NOK (ca. 920 Euro) kosten. Die andere ist im Stadtbezirk Sinsen, wo auch die Jugendherberge liegt. Die Wohnung dort war etwas gleich groß, aber nicht durch einen Gang getrennt. Sie liegt im Erdgeschoss und im Keller ist sogar eine Waschmaschine für alle. Wenn ich morgen zusage kostet sie 6200 NOK (ca. 780 Euro). Ich schlafe noch ne Nacht drüber, aber es ist einfach so gut. Das meinte meine Assistentin auch. Den Rest der Heimfahrt war ich „so right“ und alles war „so true“. Ich weiß nicht, ob sie für eine Vermietung Provision bekommt, aber sie ist der Meinung, dass das Angebot sehr gut ist. Nach der Fahrt im Osloer Verkehr bin ich mir auch sicher, dass ein Auto nur Zeit und Geld kostet, aber sonst nichts bringt. Seit heute weiß ich auch, dass hier in Oslo gerne die Mieten überboten werden – der mit dem höchsten Mietgebot bekommt die Wohnung. So läuft das in Norwegen. Als Vermieter muss es einem hier gut gehen.
Ich war nach der Besichtigung etwas im Geschäft, habe gelesen und bin dann noch mal zur zweiten Wohnung gefahren. Bei einem Spaziergang habe ich mir das Viertel angesehen und finde es dort eigentlich recht schön. Die Polizei patrouilliert dort mit Blaulicht, die Betrunkenen wanken einem auf der Straße entgegen, ich habe Supermärkte, Tram-, Bus- und T-Bane-Stationen keine 10 Minuten entfernt und die Wohnung selbst liegt ruhig.
Tja, als letztes habe ich im ICA Wurst und Brot für ein gemütliches Abendessen am Hafen gekauft, doch die Tram ist nicht gekommen. Nach einer Stunde am Bahnsteig bin ich zum Hostel zurückgefahren. Heute gehe ich früh ins Bett, weil ich ja über wichtige Entscheidungen träumen muss.
Posted by stef_d 9:24 PM Archived in Norway Comments (1)

