A Travellerspoint blog

Oct 2007

Tag 9 (Dienstag, 2. Oktober 2007)

Designer-Wohnung

sunny

Die erste Nacht im neuen Heim verlief ohne Störungen. Ich habe wohl zu fest geschlafen, als dass ich sie gehört hätte. Da ich direkt im Erdgeschoss neben dem Eingang des Gebäudes wohne, hört man schon die Eingangstüre und die Straßenbahn, wenn ich das Fenster aufhabe. Daran werde ich mich noch gewöhnen. Na, aber die Dusche ist gut! Auch wenn keine wirkliche Duschwanne drin ist, macht das weit weniger Sauerei als gedacht. Kurz nach Dusche wurde durch den Feueralarm in meiner Wohnung gleich die ganze Nachbarschaft mit aufgeweckt. Schon blöd, wenn der direkt neben dem Bad hängt. Das Frühstück beschränkte sich auf Salami-Brot, das ich von vom Vorabend hatte. Ich habe mich noch nicht wirklich getraut, mich „frei“ zu bewegen.
Arbeitstechnisch waren heute keine Partys geboten. Durch weitere Trainings habe ich die Firmenstrukturen und interne Abläufe besser kennen gelernt. Mein Vermieter hatte mich noch angerufen. Das ist eine Erwähnung wert. Er möchte noch irgendwelche Dinger installieren und deshalb diese Woche kurz vorbeikommen. Also kommt er Donnerstag und Freitag vorbei. Bei der Frage nach Kühlschrank und Herd meinte er: Die kommen Dienstag (*g*). Ich musste das Lachen echt runterschlucken. Hätte ich gleich noch die Photonentorpedos mitbestellen sollen? Friede und langes Leben!
Kurz vor Feierabend wollte ich noch klären, ob und wie es morgen bei der Polizei abläuft. Ich muss dort vorbei, weil ich dort die Arbeitsgenehmigung beantragen muss. Bei der Polizei gibt es immer lange Schlangen und man muss auf jeden Fall Wartezeiten von vier Stunden und mehr in Kauf nehmen. Deshalb meinte meine Relocation Agency letzte Woche, dass sie schon früh dort sind, ein Ticket ziehen und ich erst um 8:30 aufkreuzen muss. Naja, das war letzte Woche. Sie machen das nicht immer. Jetzt muss ich schauen, wann ich diese 4 bis 5 Stunden Wartezeit in meinen Terminkalender reinbekomme. Morgen? Übermorgen? Mal sehen.
Zuhause angekommen – es wurde schon wieder dunkel – musste ich einkaufen. Ich brauchte einen „Schtruppfer“, damit ich das Bad und den Boden im Zimmer sauber machen konnte. Was jetzt jetzt „Schtruppfer“ auf Norwegisch?! Mein kleines gelbes Wörterbuch gibt so was nicht her und die hiesigen Supermärkte auch nicht. Im Remy habe ich mich mit dem „Mopp Startpakke“ bewaffnet und die Wohnung gemobbt. Das Möbelrücken ging einfach, weil alle großen Möbel auf Rädern unterwegs waren. Kurz vor 23 Uhr war ich fertig, habe alles verräumt, was ich nicht unbedingt vom Vormieter brauche, und fühl mich hier wohl. Nur das Sofa muss mit ner Grundreinigung warten, bis ich nen Staubsauger habe. Jetzt ist irgendwie viel mehr Platz als vorher und der hässliche Teppich ist auch endlich raus – auf dem Schrank, okay, ich trau mich den nicht wegzuschmeißen. Erst Ende der Woche mit dem Vermieter reden. Vielleicht ist er ja so gütig und nimmt ihn mit.
Der Wohnungsvermittler meinte, dass ein Innenarchitekt diese Wohnung eingeräumt hat. Ich wusste gar nicht, dass Designer ihre Ware aus schwedischen Möbelhäusern beziehen. Gut, da werde ich wohl noch das eine oder andere Designerstück hinzufügen.
Alle zwei Wochen gibt es direkt gegen über meiner Wohnung die Aufladung der Waschkarte, mit der ich meine Wäsche waschen kann. Das ganze Hochhausleben spielt sich also um meine Wohnung ab: Eingang, Waschsalon, Lift, Treppenhaus, Spielplatz vor dem Haus. Selbst noch weit nach 20 Uhr hat es an meiner Tür geläutet. Wenn ich das Mädel auch nur verstanden hätte. Auf Englisch wurde es dann doch klar, dass sie zu spät war für die Kartenaufladung. So lerne ich wenigstens die anderen Leute im Haus kennen!

Posted by stef_d 9:07 AM Archived in Norway Comments (0)

Tag 8 (Montag, 1. Oktober 2007)

Die eigenen 4 Wände

overcast

Okay, ich geb’s zu. Es sind fünf Wände. Das Bad ist dann doch noch abgetrennt. Aber von Anfang an! Am Morgen hieß es für mich meine Sachen zusammen zu packen und im Gepäckraum der Herberge zu verstauen. Ich spürte schon wieder die über 30 Kilo Gepäck.
Auf der Arbeit musste ich wieder viel lernen und Tests bestehen. Eigentlich glaubte ich, ich wäre aus diesem Prüfungsleben draußen? War wohl ein Irrglaube. Glücklicherweise gab es heute wieder was mit Sekt und Schokolade zu feiern. Nein, dieses Mal wurde nicht meine Wohnung gefeiert, sondern dass die Firma so gut dasteht. Wir durften sogar Luftballons steigen lassen und wir sollten uns dabei etwas wünschen. Es sollte etwas privates sein oder, falls man die Lust verspürte, auch für das Business, meinte unser Chef. Das war witzig. Wir wurden vielleicht seltsam von den Leuten angeschaut: Eine Gruppe Erwachsener lässt Luftballons steigen. Ich mag die Truppe von Tag zu Tag mehr! Die Neuseeländerin und ich haben ne gute Quote: einmal pro Woche feiern. Na, wenn das so weiter geht, dann bleib ich hier bis in alle Ewigkeiten! Achja… richtig… man muss für den Erfolg auch was tun… hm… na gut.
Um 14 Uhr musste ich schließlich die Wohnung übernehmen. Durch die Ballonstartaktion kam ich richtig in Zeitnot. Und wie es halt so ist, wenn einem Dinge versprochen werden: sie werden selten gehalten. Die Wohnung war nicht geputzt, es stank noch nach dem Zigarettenrauch, der Vormieter war nicht da, sondern nur der Vermittler, das Fenster war nicht gewechselt, der Kühlschrank war nicht da und der Herd fehlte auch noch. Dafür hat der Vormieter nen Esstisch mit zwei Stühlen da gelassen. Auch gut. Den kann ich nämlich brauchen. Im Kopf bin ich schon mal die Putzmöglichkeiten durchgegangen. Mit dem Vermittler habe ich dann nen Geld-gegen-Putzen-Deal ausgehandelt: ich putze selbst und bekomme Geld dafür. Geputzt hätte ich vermutlich eh, nur nicht so saumäßig gründlich, aber das Equipment brauche ich eh. So hat das mein Vormieter gezahlt.
Nach der Wohnungsübernahme bin ich in die Jugendherberge um mein Gepäck zu holen. Ich hatte wirklich vergessen, wie schwer die Taschen waren. Muss ich erwähnen, dass ich geschwitzt hatte, bis ich bei meiner Wohnung war? Die Taschen einfach nur abgestellt – ja nicht zuviel Staub aufwirbeln! – und wieder in die Arbeit. Es wurde dann 16 Uhr, bis ich wieder dort war.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wann ich gegangen bin, aber es war nach 18 Uhr. Zuhause (ich nenne jetzt einfach meine neue Wohnung „Zuhause“, auch wenn ich mich noch nicht eingelebt habe – Hogschür ist dann einfach „Daheim“ *g*) eine kurze Bestandsaufnahme gemacht und gemerkt, dass wirklich nix da ist. Der nächste Supermarkt ist Kiwi, der für den ersten Einkauf hinhalten musste. Sah bestimmt witzig aus, wie jemand mit einem gelben kleinen Wörterbuch vorm Putzmittelregal steht und einkauft. Ich habe die anderen um mich gar nicht angesehen. Mit Duftneutralisator, Schwämmen, Spülmittel und Badreinger (der mit dem großen schwarzen X im orangenen Feld macht bestimmt sauber!) bewaffnet ging es in meinem Wohnung.
Bis halb 1 Uhr morgens habe ich geputzt, geschrubbt und eingeräumt („immigration must be exciting, isn’t it?“ – naja… :oP ). Mein Vormieter hat wohl unter „mal drüber putzen“ verstanden, dass er „über den Dreck drüber putzen“ soll. Es war rein gar nichts geputzt gewesen. Den Boden und die Fließen im Bad habe ich nicht mehr geschafft. Mit den Sitz- und Rückenkissen des Sofas habe ich mir eine notdürftige Matratze gebastelt, Schlafsack drauf und die erste Nacht geschlafen.
Wochentage finde ich gut. Da passiert immer so viel, dass man viel mehr schreiben kann.

Posted by stef_d 9:05 AM Archived in Norway Comments (0)

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